Liebshausens Wälder im Umbruch
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Der Wald hat seit jeher das Leben der Bewohner Liebshausens geprägt. Holz wurde zum Bauen und Heizen geschlagen, Laub zur Verwendung als Streu für das Vieh gesammelt, der Wald selbst als Weidefläche genutzt und vieles mehr.
Quelle: Fotosammlung Römer/1000 Jahre Liebshausen - Aus der Geschichte
Mit dem Rückgang der Landwirtschaft (heute werden alle zum Gemeindegebiet gehörenden Äcker von nur noch 3 Landwirten bewirtschaftet) ging auch die Zahl derer, die den Wald unmittelbar nutzten, zurück. Leider geriet damit auch die enge Verbundenheit mit dem Wald immer mehr in den Hintergrund.
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Heute bietet der Wald den Menschen in erster Linie einen großen Erholungswert.
Das Verständnis der vorangegangenen Generationen für die sehr komplexen Zusammenhänge des Ökosystems Wald und dessen nachhaltigen Nutzung gehen mit dieser modernen Freizeitnutzung aber leider mehr und mehr verloren.
Dabei ist aber dieses Wissen gerade in der heutigen Zeit für den Erhalt der Wälder ungemein wichtig. Noch nie hat der Mensch so stark in dieses Ökosystem eingegriffen wie seit Beginn des 20. Jahrhunderts.
Nach den verlorenen beiden Weltkriegen wurden über Jahrhunderte ausgewogen gewachsene Mischwälder Liebshausens zur Begleichung von Reparationszahlungen durch die Siegermächte großflächig gerodet und anschließend durch schnellwachsende Fichten in Form von Monokulturen wieder aufgeforstet.
Verschiedene "moderne" Umwelteinflüsse wie der saure Regen in den 80er Jahren haben zur Schwächung der Wälder zusätzlich beigetragen.
Der sich in den letzten Jahren immer mehr abzeichnende Klimawandel schwächt den Wald mit den damit einhergehenden extremen Dürreperioden. Häufiger auftretende Stürme haben zusätzlich zu den bereits von Menschenhand u.a. zum Bau von Windkraftanlagen geschlagenen Schneisen tiefe Wunden in die Wälder gerissen und bieten zukünftigen Stürmen immer mehr Angriffsfläche.
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Geschwächte Wälder in Kombination mit ausbleibenden Winterfrösten bieten der unkontrollierbaren Ausbreitung eines gerade für die bereits genannten Fichtenwälder tödlichen Schädlings beste Voraussetzungen: dem Borkenkäfer.
Insgesamt zeichnet sich ab, dass unsere Wälder in ihrer Artenzusammensetzung, wie wir sie heute kennen, langfristig bei uns nicht überleben können.
Wir müssen umdenken und auf Baumarten anderer Regionen, die mit den neuen Gegebenheiten wie Trockenheit besser zurechtkommen, ausweichen. Aufgrund der katastrophalen Auswirkung des Borkenkäfers werden wir auf die uns so vertraute Fichte wohl weitgehend verzichten müssen.
Der Schulwald Liebshausen stellt in seiner Artenzusammensetzung einen gerade unter diesen Gesichtspunkten zusammengestellten Mini-Mischwald aus 14 ausgewählten Baumarten, die zukünftig unsere Wälder prägen könnten, dar.
Somit bringt das Projekt Schulwald Liebshausen seinen BesucherInnen und den vielen fleißigen HelferInnen nicht nur das aus der Vergangenheit verlorengehende Wissen über das Ökosystem Wald und dessen Bewirtschaftung nahe, sondern bietet auch einen hoffnungsvollen Ausblick auf die Wälder der Zukunft.



